Rund um den Rohstoff Kautschuk gibt es viel interessantes Wissen und Anekdoten, die wir Ihnen über unser Portal in kurzen Fachbeiträgen präsentieren möchten. Im ersten Beitrag der Grundlagen des Gummiwissens berichten wir von Charles Goodyear, dem Pionier des Gummiwissens.

Ausgerechnet Schwefel - Wie aus Kautschuk Gummi wird

„Jedermann kund und zu wissen: dass ich, Charles Goodyear, aus der Stadt New York im Staate New York, eine neue und nützliche Veredelungsmethode bei der Präparierung von Kautschuk- Erzeugnissen erfunden habe . . .

Meine wichtigste Verbesserung besteht in der Mischung des Rohgummis mit Schwefel und Bleiweiß sowie dem Verfahren, das so gebildete Gemisch der Einwirkung von Hitze einer bestimmten Temperatur auszusetzen, wodurch der Gummi insofern in seinen Eigenschaften verändert wird, als er danach unter der Einwirkung von Wärme unterhalb derjenigen, der er während der Präparierung ausgesetzt worden war, nicht mehr weich wird; auch erleidet er sodann keinen Schaden durch Kälte.“

Diese Zeilen wurden am 15. Juni 1844 geschrieben. Sie stehen in Goodyears Patentanmeldung. Seine Erfindung nennen wir heute „Vulkanisation“. Und man kann guten Gewissens sagen, dass dieses Verfahren der Kautschukveredelung für die zivilisierte Menschheit eine ähnliche Bedeutung bekommen hat wie die Umwandlung von Roheisen in Stahl, von Erdöl in Benzin, von Bauxit in Aluminium.


Kautschuk – ein elastischer Rohstoff

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beachtete man in Europa den aus Mittelamerika stammenden Kautschuk. In Frankreich entstanden die ersten Formartikel durch Bestreichen von Wachsformen mit in Terpentin und Ether gelöstem Kautschuk, und der berühmte Physiker J.A.C. Charles dichtete damit Textilgewebe ab, die unter anderem zur Herstellung des Heißluftballons der Gebrüder Montgolfier dienten. Auch in England gummierte man Gewebe, und Charles Macintosh stellte den ersten regendichten Mantel her. Solche nützlichen Kleidungsstücke hatten allerdings eine unangenehme Eigenschaft: In der winterlichen Kälte wurden sie bretthart, und die Sommertemperaturen bewirkten, dass die Beschichtung klebrig wurde und erbärmlich stank.


Ein Zufall bringt die Lösung

Wie viele „Erfinder“ seiner Zeit, versuchte Charles Goodyear, dem viel versprechenden Rohstoff Kautschuk diese Unarten abzugewöhnen, indem er verschiedene Chemikalien in unterschiedlichen Konzentrationen beimischte. Als er 1839 gerade mit Schwefel experimentierte, geriet – so die Überlieferung – ein kleiner Klumpen der Mischung versehentlich auf den heißen Kanonenofen, mit dem er seinen Experimentierschuppen heizte. Hitze und Schwefel verwandelten die plastische Kautschukmischung in einen neuen Stoff: elastischen Gummi. Goodyear hatte gefunden, was humanistisch gebildete Chemiker später „Vulkanisation“ nannten: Feuer und Schwefel waren die Werkzeuge des antiken Gottes Vulkan!


Zur Erklärung der Begriffe:

„Kautschuk“, ob nun natürlicher vom „Gummi“-Baum, lateinisch und botanisch „Hevea brasiliensis“, oder synthetisch hergestellter, ist das plastisch verformbare Ausgangsmaterial.

Sich elastisch verhaltender „Gummi“ dagegen ist das, was aus dem Kautschuk durch Zumischen bestimmter Ingredienzien und durch „Vulkanisieren“ entsteht. Aus Kautschuk wird also Gummi, so wie aus Mehl Brot oder Kuchen werden.

Ganz allgemein wird heute von „Polymer“ als Synonym für Kautschuk gesprochen.

„Elastomer“ ist das Synonym für Gummi und „Vernetzung“ das Synonym für Vulkanisation.

Im nächsten Bericht wird der Vulkanisationsvorgang genauer unter die Lupe genommen.

Quelle: Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie vom 02.10.2014